Experteninterview zum GVP-Tarifvertrag.

von Ronny Karschner

Der GVP-Tarifvertrag – Stärkung und Zukunftssicherung der Personaldienstleistungsbranche? Im Interview mit dem Geschäftsführer der Personalvermittlung PASIT.

Am 1. Dezember 2023 wurde ein bedeutender Schritt für die Personaldienstleistungsbranche in Deutschland vollzogen: der Zusammenschluss der beiden einflussreichsten Arbeitgeberverbände in der deutschen Personaldienstleistungsbranche: dem Interessenverband Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (iGZ) und dem Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP).  zum Gesamtverband der Personaldienstleister (GVP).

Um mehr über die Bedeutung und die Auswirkungen des GVP-Tarifvertrags zu erfahren, haben wir Ronny Karschner, Geschäftsführer und Personalberater von PASIT, gesprochen.

Herr Karschner, der GVP-Tarifvertrag gilt als ein Meilenstein für die Branche. Was genau macht diesen Tarifvertrag so besonders?

Die strategische Konsolidierung der Kräfte von iGZ und BAP im GVP-Tarifvertrag ermöglicht es unserer Branche als einheitliche, starke Stimme aufzutreten. Mit dieser werden gegenüber Politik und Öffentlichkeit die sozialen und wirtschaftlichen Entwicklungen der Personaldienstleisterbranche verhandelt, die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Mitgliedsunternehmen gestärkt und die Arbeits- und Sozialbedingungen für Zeitarbeitskräfte bundesweit einheitlich fair geregelt. Und so, davon bin ich überzeugt, zukunftsweisende Verbesserungen erzielt.

Also beurteilen Sie die Bedeutung des GVP-Tarifvertrags positiv?

Auf jeden Fall. Ich sehe den GVP-Tarifvertrag als eine wesentliche Entwicklung für unsere Branche. Als Geschäftsführer der Personalvermittlung PASIT sehe ich außerdem, wie wichtig es ist, dass die Branche als Ganzes zusammenarbeitet. Nur auf Augenhöhe und unter fairen Bedingungen schaffen wir es, auf dem hart umkämpften Markt und in Zeiten von Fachkräftemangel ein gutes Geschäftsumfeld und echte Wachstumsmöglichkeiten zu bieten. Der GVP-Tarifvertrag schafft hier einheitliche Grundlagen für die Arbeits- und Sozialbedingungen, die nun deutschlandweit und branchenübergreifend für alle gelten.

Können Sie einige konkrete Verbesserungen nennen, die der GVP-Tarifvertrag mit sich bringt?

Die positiven Auswirkungen sind vielschichtig. Vielleicht einige Beispiele: Dass der GVP-Tarifvertrag die Weiterbildung und Qualifikation von Zeitarbeitskräften als zentrales Element festlegt, um deren Beschäftigungsfähigkeiten zu erhöhen. Innovationen fördert. Dass die Branche in politischen Diskussionen und Gesetzgebungsverfahren als das vertreten wird, was wir bereits de facto sind: eine führende Wirtschaftskraft in Deutschland, die Arbeitsplatzsicherheit bietet, Menschen in den Arbeitsmarkt integriert, Chancen für berufliches Wachstum schafft und als zuverlässiger Partner für Unternehmen in ganz Deutschland agiert.

Inwiefern wirkt sich das auch auf die Zeitarbeitnehmer aus?

Der GVP-Tarifvertrag sorgt für eine Gleichbehandlung aller Zeitarbeitnehmer – unabhängig davon, bei welchem Mitgliedsunternehmen sie beschäftigt sind. Und er garantiert faire Löhne. Es gibt spezialisierte Tarifvereinbarungen und Branchenzuschläge, die dafür sorgen, dass Ihre Entlohnung der der jeweiligen Branchenrealität entspricht. Die Zeitarbeitnehmer werden in einem neunstufigen Entgeltsystem klassifiziert, das Ihre Erfahrung angemessen entlohnt und widerspiegelt. Sie sind im Fall von Krankheit oder Arbeitslosigkeit sozial besser abgesichert. Weihnachts- und Urlaubsgeld werden einheitlich definiert. Die Arbeitszeitregelungen sind durch flexible Zeitkonten individuell an die Bedürfnisse der Arbeitnehmer und der betrieblichen Abläufe anpassbar. Auch der Mindesturlaub im GVP-Tarifvertrag liegt heute schon über den gesetzlichen Anforderungen. Kurz: Der GVP-Tarifvertrag macht die Zeitarbeit zu einem fairen, stabilen und abgesichertem Einstieg in so gut wie alle Branchen.

Können Unternehmen auch individuelle Vereinbarungen treffen?

Unternehmen können immer zusätzliche Vereinbarungen treffen, wenn diese ihre Mitarbeiter besserstellen – nur eben die Mindeststandards müssen unter allen Umständen eingehalten werden.

Wie werden Mindestlöhne in der Zeitarbeit denn eigentlich festgelegt und überwacht?

Der GVP setzt sich seit über 15 Jahren gemeinsam mit dem DGB für faire Arbeitsbedingungen in der Zeitarbeit ein. 2012, also noch vor dem gesetzlichen Mindestlohn, hatte er bereits eine branchenweite Lohnuntergrenze etabliert. Im Juni 2022 wurde vereinbart, diese Lohnuntergrenze zu aktualisieren, was durch die "Fünfte Verordnung über eine Lohnuntergrenze in der Arbeitnehmerüberlassung" zum Jahresbeginn 2023 dann auch in Kraft getreten ist. Heute liegt die Lohnuntergrenze des GVP-Tarifvertrags über dem gesetzlichen Mindestlohn. Zusätzlich sind Zeitarbeitsfirmen verpflichtet, die Mindestlöhne bestimmter Branchen zu zahlen, wenn diese höher sind als in der Zeitarbeit. Da werden wir streng von der Finanzkontrolle Schwarzarbeit des Zoll überwacht.

Profitieren Arbeitgeber wie Sie denn dann überhaupt vom GVP-Tarifvertrag?

Absolut. Fairness tut generell allen, und eben auch uns Arbeitgebern gut: durch die deutschlandweit einheitlichen Regelungen der Löhne und Arbeitsbedingungen wird für uns ein Level Playing Field geschafft, auf dem alle Unternehmen der Branche operieren. Das schafft für uns ein gesundes Wettbewerbsumfeld, und es verhindert Lohndumping. Wir können uns auf die Qualität unserer Arbeit konzentrieren und positionieren uns als Unternehmen gleichzeitig als starke, attraktive und sichere Arbeitgeber auf dem Arbeitsmarkt.

Um auch noch auf die letzte Ebene zu gehen: Wie stärkt der GVP-Tarifvertrag die ganze Branche?

Der GVP ist nach dem Zusammenschluss von iGZ und BAP ein mächtiger Partner für Unternehmen und Politik. Aktuell vertritt der GVP über 6.000 Mitgliedsunternehmen und setzt sich für die Interessen von rund 800.000 Zeitarbeitskräften in Deutschland ein. Dass wir nun mit gebündelter Kraft auftreten, hebt die personelle und politische Einflussnahme der deutschen Personaldienstleistungsbranche auf ein neues Niveau: Das ist und wird besonders wichtig in der Diskussion um Arbeitsmarktreformen und das Fachkräfteeinwanderungsgesetz – die großen Zukunftsthemen der deutschen Wirtschaft. Eine vorausschauende und offene Politik ist hier unsere Überlebensgrundlage. Und unsere Stimme als Branche schon heute ein entscheidender Faktor.

Vielen Dank für das Gespräch und Ihre Einschätzung zum GVP-Tarifvertrag, Herr Karschner!

Ich danke Ihnen!

 

Sie wollen mehr zum GVP-Tarifvertrag erfahren? Die Website des GVP bietet Ihnen eine Übersicht mit allen relevanten Informationen zum Thema.

 



Ronny Karschner
Geschäftsführer / Personalberater

Lebenslauf:
Der berufliche Werdegang von Ronny reicht von der kaufmännischen Ausbildung, über den Einstieg in die Personaldienstleistung im Jahr 2002 und dem Studium zum Bachelor Professional of Human Resources Management.

Seit 2013 ist er in unserem Unternehmen tätig. Seine Anfänge fand Ronny in der technischen-gewerblichen sowie kaufmännischen Personalberatung und baute diese im Bereich Techniker und Ingenieure aus. Heute ist er als Geschäftsführer / Personalberater tätig und bringt seine langjährige Erfahrung in allen Bereichen unseres Unternehmens ein.

Expertise:
Ronny hat sich auf die langfristige Kundenbindung sowie den Ausbau bestehender Kundenbeziehungen spezialisiert. Mit seinem umfangreichen Fachwissen kann er sehr schnell auf die Wünsche der Kunden eingehen und für diese optimale Besetzungslösungen finden. Durch diese Fähigkeit kann er auch größere Projekte mit sehr hohem Personalbedarf innerhalb weniger Tage zügig besetzen und die Kunden langfristig an das Unternehmen binden.

Prozesse und Abläufe stellt er regelmäßig auf den Prüfstand. Hierdurch werden diese kontinuierlich verbessert und optimiert sowie der jeweiligen Situation angepasst. Diese Neuerungen werden im Team besprochen und zusammen entschieden.

Seinen Kollegen und Kolleginnen steht er jederzeit mit seiner Fachkenntnis zur Seite und gibt dieses gerne weiter.

Ronny Karschner <br>Geschäftsführer / Personalberater

Ronny Karschner
Geschäftsführer / Personalberater

Der berufliche Werdegang von Ronny reicht von der kaufmännischen Ausbildung, über den Einstieg in die Personaldienstleistung im Jahr 2002 und dem Studium zum Bachelor Professional of Human Resources Management.

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